Der lukanische Reisebericht: Lk 9,51-19,28

Lk 9,51-11,13 Die Jüngerunterweisung

Mit 9,51 wendet sich die Wanderungsbewegung Jesu ausdrücklich nach Jerusalem. Der sprachliche Ausdruck macht deutlich, dass hier eine neue Orientierung betont werden soll (9,51): „da wandte er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem“.

In den ersten Texten, die im Reisebericht zusammengestellt sind, wendet sich Jesus überwiegend an die Jünger. Der Weg nach Jerusalem bindet die Jüngergemeinschaft fester an Jesus. Die Zurückweisung, die er durch ein Samariterdorf erfährt, soll nicht mit Gewalt beantwortet werden. Die Zebedaiden fragen, ob sie bewirken sollen (9,54), „dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre“. Jesus lehnt das ab und erwartet von den Jüngern, auch den Zebedaiden Jakobus und Johannes, Gewaltverzicht (9,52-56).

Die Nachfolge erfordert besonderes Geschick, wie Jesus den zur Nachfolge Bereiten sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (9,57-62). Die Aussendungsrede, die Weherufe über die galiläischen Städte und die Rückkehr der Jünger zeigen, dass nun die Jüngerschar gefestigt ist: „Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht!“ (10,1-24).

Die beiden Texte vom barmherzigen Samariter und von Maria und Martha klären das Verhältnis von Tun und Hören, von Werk und Wort. Beides hat seine Bedeutung. Das Tun soll bestimmt sein von der Erfüllung des Doppelgebotes der Liebe: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Das Doppelgebot wird konkretisiert in der Erzählung von dem unter die Räuber gefallenen Mann, an dem Priester und Levit vorbeiziehen, der aber durch einen Nichtjuden, einen Samariter, gerettet und versorgt wird. Aber auch das Hören hat seine Bedeutung. Jesus kommt nun in das Haus der Maria und Martha, Maria hört ihm zu, Martha arbeitet im Haus und beklagt sich schließlich. Jesus antwortet: „Maria hat das gute Teil erwählt.“ (10,38-42). In 11,1-13 lehrt Jesus den Jüngern das Beten. In 11,2-4 wird das Vaterunser eingeführt.

Lk 11,14-14,35 Die Auseinandersetzung mit und vor dem Volk

Von 11,14 an tritt das Volk („die Menge“) als Gesprächspartner Jesu in den Vordergrund. Die Texte wollen die besondere Entscheidungssituation unterstreichen, in die jeder durch Jesus gebracht wird. Die Sabbatheilung der gekrümmten Frau (13,10-17) zeigt die Stimmung, die durch die Verkündigung Jesu entsteht, Lk 13,17 (L): „Und alles Volk freute sich über alle herrliche Taten, die durch ihn geschahen.“ Der Freude steht aber auch das Wissen um das Schicksal Jesu und das Schicksal Jerusalems gegenüber (13,31-35). Der Abschnitt endet mit einer Gastmahlszene im Haus eines „Oberen der Pharisäer“. Die Mahlgemeinschaft bildet die Jüngergemeinschaft und die Gemeinschaft des Reiches Gottes ab. Im Gleichnis vom Abendmahl (14,15-24) wird die Verschlossenheit der Geschäftigen und die Offenheit der Unbedeutenden gegenübergestellt (14,21): „Führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.“

Lk 15,1-19,28 Festigung der Lehre und Wiederaufnahme der Reise

In diesem dritten Teil des Reiseberichts wird überwiegend in Gleichnissen gelehrt. In Lk 15 werden in eine Gesprächsszene zwischen Pharisäern und Jesus als Antwort auf die Frage nach der Gemeinschaft mit Sündern drei Gleichnisse vom Verlorenen (Schaf, Groschen, Sohn) eingebettet. Die Sünder sollen nicht nur Aufnahme finden, sondern das sollte mit Freude geschehen. So spricht der barmherzige Vater zum älteren Sohn, der missmutig beiseite steht, Lk 15,32 (L): „Du sollst aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“

Die weiteren Gleichnisse in diesem Abschnitt

16,1-13 Der unehrliche Verwalter
16,19-31 Reicher Mann und armer Lazarus
18,1-8 Die bittende Witwe
18,9-14 Pharisäer und Zöllner
19,11-27 Von den anvertrauten Pfunden

Die Gleichnisse sind nicht ganz leicht zu deuten. Sie erzählen überwiegend von Konfliktsituationen, die stark durch materielle Fragen geprägt sind: Entlassung und Armut, Hunger, Unrecht, Willkürherrschaft. Die erzählte Welt der Texte berichtet jeweils von einer überraschenden Wende. In dieser Überraschung kommt eine Seite des Reiches Gottes zum Ausdruck: Das Reich Gottes bricht mit den alltäglichen Erwartungen.

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