Jesus in Jerusalem: Lk 19,29-24,53

Lk 19,29-21,38 Die Verkündigung in Jerusalem

Der Aufenthalt Jesu in Jerusalem wird im Lukasevangelium nach der Vorgabe des markinischen Passionsberichts erzählt. An zahlreichen Stellen wird die Markusvorlage durch Sondergut ergänzt und der Erzählablauf wird überarbeitet. Der Einzug in Jerusalem führt unmittelbar in den Tempel und die Austreibung der Händler wird am ersten Tag des Aufenthalts Jesu vollzogen (Lk 19,28-48). In 19,41-44 ist eine kleine Passage eingefügt, nach der Jesus das Schicksal Jerusalems beweint (vgl. 13,34f). Im Tempelgebiet führt Jesus die Streitgespräche um seine Vollmacht, die Steuer, die Auferstehung und um die Davidsohnschaft des Messias. Im Gleichnis von den bösen Weingärtnern wird der Führung des Jerusalemer Judentums die Legitimation abgesprochen. Das Volk steht auf der Seite Jesu (20,19).

Lukas setzt gegenüber der Markusvorlage nur einige Akzente neu. So wird die apokalyptische Rede (Mk 13) im Tempel gehalten (21,5-36). Lukas verstärkt die Hinweise auf die Geschichte Jerusalems. Die Stadt wird 70 n.Chr. von den Römern erobert und der Tempel wird zerstört. Lukas blickt auf diese Ereignisse zurück und ergänzt Andeutungen in der Rede Jesu, die auf die Vernichtung Jerusalems hinweisen. Die „Wehen“ der Endzeit werden zu geschichtlichen Ereignissen, Lk 21,20 (L): „Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, ...“ (vgl. Mk 13,14: „Wenn ihr aber sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen, wo es nicht soll ...“). Am Ende der Darstellung der endzeitlichen Vorgänge steht die Aufforderung zur ständigen Wachsamkeit, Lk 21,36 (Z): „Wachet aber zu jeder Zeit“.

Lk 22,1-23,56 Passion

Im eigentlichen Passionsbericht, der Erzählung von der Gefangennahme Jesu bis zur Kreuzigung, weicht Lukas häufig vom Markustext ab. Es bleibt im Grunde nur ein gemeinsames Erzählgerüst übrig. Der Text ist durch und durch neu gestaltet und durch Sondergut ergänzt. Aber auch bei Lukas beginnt der Passionsbericht im engeren Sinne mit dem Verrat des Judas und dem letzten Mahl am Passahfest (22,1-23). Die Einsetzungsworte zum Abendmahl weichen von Mk ab und stehen 1.Kor 11,23-25 nahe, Lk 22,19f (L): „Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, der für euch vergossen wird!“

An das Mahl schließt sich ein Jüngergespräch an (22,24-38), in dem der Konflikt der Jünger mit der weltlichen Macht im Mittelpunkt steht, Lk 22,36 (L): „Und wer’s nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert.“ Dann folgt Lk wieder der Markusvorlage: Gethsemaneszene (ergänzt um 22,43f), Gefangennahme, Verleugnung des Petrus, vor dem Hohen Rat und vor Pilatus. In 23,6-12 wird ein Verhör durch Herodes ergänzt (Sondergut).

Lukas betont deutlicher als Mk die Unschuld Jesu (23,4.14f.20.22). Pilatus gibt wider besseres Wissen dem Druck des Volkes und der Hohenpriester nach. Geißelung und Verspottung Jesu werden gegenüber Mk stark abgeschwächt. Auf dem Weg zum Kreuz berichtet Lk nun von der Trauer Jesu über Jerusalem, Lk 23,38 (L): „Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (vgl. 13,34f; 19,41-44).

Am Kreuz führt Jesus noch ein Gespräch mit den beiden Verbrechern, die zu seiner Linken und Rechten gekreuzigt werden. Dem einem sagt er zu, Lk 23,43 (L): „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Nach Lk 23,46 betet Jesus in der Stunde seines Todes nicht Ps 22, sondern Ps 31,6: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Der Hauptmann nennt Jesus nicht Sohn Gottes (Mk 15,39), sondern einen „Gerechten“ und unterstreicht damit erneut die Unschuld Jesu. Josef von Arimathäa erhält den Leichnam und Lk 23,50f stellt heraus, dass er zwar Mitglied des Hohen Rats gewesen sei, aber dennoch (23,51) „ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt“ hatte.

Lk 24 Auferstehung und Himmelfahrt Jesu

In Lk 24 fallen Ostern und Himmelfahrt auf einen Tag. Die Entdeckung des leeren Grabes bleibt nicht nur den Frauen vorbehalten wie in Mk 16,1-8, sondern auch Petrus geht hin. Er sieht sogar die Leinentücher liegen und wundert sich (24,1-12).

In zwei Erscheinungsberichten wird nun von der Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen berichtet. In der Erzählung von den Jüngern, die auf dem Weg nach Emmaus sind, zeigt sich ein großer Erzähler am Werk (24,13- 35). Er schildert das Empfinden der Jünger nach dem Tode Jesu. Als Jesus erkannt wird, verschwindet er. Die Jünger sprechen, Lk 24,32 (L): „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege?“ Sie gehen zu den anderen Jüngern mit dem Auferstehungsruf (24,34): „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“

Jesus tritt dann noch mal in die Jüngergemeinschaft, zeigt seine Wundmale und isst mit ihnen (24,36-49). Dann geht er nach Bethanien und wird in den Himmel gehoben. Die Jünger aber kehren nach Jerusalem zurück (24,53) „und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“

So endet das Lukasevangelium an dem Ort, an dem sein Erzählfaden begann: im Tempel Jerusalems. Im Tempel beginnt die Vorgeschichte, auf den Tempel zu bewegt sich Jesus, dort lehrt er und dorthin kehren schließlich die Jünger nach der Himmelfahrt zurück.

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