Antike Bibelübersetzungen

Ein Blatt der griechischen Bibelhandschrift P46, auf Papyrus, ca. 200 n. Chr.

Die Schriften des Alten und Neuen Testaments sind in den Sprachen Hebräisch, Aramäisch und Griechisch abgefasst. Die Verbreitung einzelner biblischer Bücher und des biblischen Kanons über den Sprachkreis der Entstehungssprache hinaus führt bald dazu, dass diese Bücher aus ihren Ursprungssprachen in andere Sprachen übersetzt werden. Mit dem Übersetzungsvorgang ist in der Regel eine Übertragung in das Denken und die Welt des neuen Kulturkreises verbunden. Ein bekanntes Beispiel ist die Übersetzung von Jes 7,14. Dort heißt es:

  • Jes 7,14 (L): Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Das hebräische Wort, das mit „Jungfrau“ übersetzt wird, lautet almah und bedeutet „junge, gebärfähige Frau“. Die griechische Übersetzung wählt das Wort parthenos „Jungfrau“, womit eine Frau bezeichnet wird, die noch keinen geschlechtlichen Verkehr hatte. In diesem Sinne nehmen die Geburtsgeschichten der Evangelien in Lk 1,26-38 und Mt 1,18-23 das Wort aus Jesaja 7,14 auf. Sie betonen die jungfräuliche Geburt Jesu und die Zeugung durch den Heiligen Geist.

Vulgata, lateinische Bibel, Vatikanische Ausgabe von 1590

Die ältesten Übersetzungen alttestamentlicher Texte erfolgen aus dem Hebräischen und Aramäischen ins Griechische. Die antike griechische Übersetzung des Alten Testaments nennt man Septuaginta (lat. siebzig; Abk.: LXX). Die neutestamentlichen Texte wurden sehr bald – oft gemeinsam mit dem Alten Testament – ins Lateinische, Koptische und Syrische übersetzt. Die lateinische Übersetzung der gesamten Bibel durch Hieronymus (ca. 350-420), die so genannte Vulgata (lat. die allgemein Verbreitete), wird schließlich die autoritative Textfassung. Erst die Reformation und der Humanismus interessieren sich wieder für die Ursprungssprachen der biblischen Bücher (lat. ad fontes, zu den Quellen). Die Übersetzungen in moderne Sprachen greifen in der Regel wieder auf die hebräischen und griechischen Ursprungstexte zurück.

Deutsche Bibelübersetzungen

Die erste vollständige Bibelübersetzung von Martin Luther 1534, Druck Hans Lufft in Wittenberg, Titelholzschnitt von Meister MS

Im Folgenden werden die verschiedenen gebräuchlichen deutschen Übersetzungen kurz vorgestellt:

Lutherbibel (L)
Für den deutschen Sprach- und Kulturraum hat die Übersetzung des AT und NT durch Martin Luther herausragende Bedeutung (NT 1522; AT 1534 abgeschlossen). Obwohl es bereits vor Luther deutsche Übersetzungen der Bibel gab, hat keine dieser Übersetzungen – und auch keine spätere Übersetzung – eine vergleichbare Bedeutung erlangen können. Die Lutherübersetzung ging in der Regel vom griechischen und hebräischen Text aus. In Zweifelsfällen, etwa bei Textverderbnis des hebräischen Textes, hielt man sich an die Vulgata. In den Apokryphen ist die Textvorlage teilweise ungeklärt. Die Lutherbibel wurde mehrfach revidiert, zuletzt 1984. 1999 wurde sie behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst. Sie hat eine Sprachgestalt, in der die einprägsame Sprachkraft Luthers und der moderne Sprachgebrauch in ein angemessenes Verhältnis gebracht sind.

Titelblatt der Zürcher Bibel von 1531. Diese von Froschauer gedruckte Version war für lange Zeit die textlich und gestalterisch bedeutendste Ausgabe der Zürcher Bibel.

Zürcher Bibel (Z)
Die Zürcher Bibel geht auf Übersetzungsversuche des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli und auf Anpassungen der Lutherübersetzung ans Alemannische zurück. 1529 liegt die erste Vollbibel vor. Sie wurde in den reformierten Kirchen immer wieder überarbeitet (zuletzt 2007). Die Sprache der Zürcher Bibel ist gewählt und sachlich. Die Übersetzung ist immer wieder am ursprünglichen Wortlaut und an neueren exegetischen Erkenntnissen kontrolliert worden.

Einheitsübersetzung (EÜ)
Die so genannte Einheitsübersetzung wurde von Alt- und Neutestamentlern aus den Entstehungssprachen der Bibel übersetzt. Das AT war 1980 und das NT 1979 abgeschlossen. Die Sprache der EÜ ist an das moderne Sprach-empfinden angepasst, so weit es sich Hochschullehrer/innen erschließt.

Elberfelder Bibel (E)
Die Elberfelder Bibel ist in Gemeinschaftskreisen entstanden (NT 1855; Bibel 1871), aber auch unter den Pfingstkirchen verbreitet. Sie ist sehr eng am ursprünglichen Text orientiert und möchte so die Lehre von der Verbalinspiration des biblischen Textes achten. Die letzte Revision erfolgte 1985.

Gute Nachricht (GN)
Der Titel übersetzt das griechische Wort Evangelium. Die GN möchte vor allem verständlich sein und sucht dies durch eine bewusste Anpassung an die Umgangssprache zu erreichen (NT 1971; AT 1977). In einer gründlichen Revision (1997) wurde der Text an vielen Stellen am ursprünglichen Wortlaut des biblischen Textes überprüft. An einigen Stellen ist eine wörtliche Übersetzung als Fußnote abgedruckt. Gleichzeitig wurde auf geschlechtergerechte Sprache geachtet.

Hoffnung für alle (Hfa)
Hier handelt es sich um eine modernisierende Übersetzung, die insbesondere den geistlichen Sinn des Textes in modernes Deutsch übertragen möchte. Dadurch wird der Bibeltext bereits stark interpretiert und bisweilen moralisierend ausgelegt.

Bibel in gerechter Sprache (BiGS)
Diese Bibelübersetzung wurde von einem Team erstellt, das sich auf die
Prinzipien einer „gerechten Sprache“ verpflichtet hat. Darunter verstehen die Übersetzer/innen eine Ausdrucksweise, die der Bedeutung der Frauen in der Bibel gerecht wird und die gegenüber dem Judentum sensibel ist. Sie wurde im Jahr 2006 abgeschlossen. Eine Besonderheit ist die Variation der Gottesbezeichnungen.

Ulrich Wilckens
Der Neutestamentler hat 1970 eine exegetisch kommentierte Übersetzung des NT vorgelegt, die sich eng am griechischen Wortlaut orientiert. Vom griechischen Wortlaut wird nur bei Unverständlichkeit im Deutschen abgewichen. Die Übersetzung ist für wissenschaftliches Arbeiten am NT hilfreich.

Münchener Neues Testament (MNT)
Das MN T ist eine wissenschaftliche Arbeitsübersetzung. Grundprinzip ist „So griechisch wie möglich, so deutsch wie nötig.“ Das Ergebnis ist ein Übersetzungsdeutsch, das in Syntax und Semantik eng an die griechische Vorlage gebunden bleibt.

Interlinearübersetzung
Hier werden unter dem hebräischen oder griechischen Text jeweils die deutschen Bedeutungen gedruckt. Es entsteht so ein einigermaßen lesbarer Text, der aber eher als Übersetzungshilfe zu verstehen ist.

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